AWdS (4): Leidende Männer im TV

In meiner kleinen Kolumne “Alexanders Welt des Sports” schaue ich auf aktuelle Sportereignisse – mit einem Augenzwinkern und nicht ganz so ernst.

 

Da ist sie also am letzten Samstag zu Ende gegangen, die Jubiläumsstaffel der überaus populären TV-Serie „Bundesliga“. Und ihre 50 Jahre merkt man ihr weiß Gott nicht an, schließlich haben die Produzenten dafür gesorgt, dass es auch in der abgelaufenen Staffel mehr Zünd- und Gesprächsstoff gab als jemals zuvor. Und das, obwohl die sportliche Sozialwirtschaftsdramedy-Soap gleich 18 Storylines verfolgt und die Schicksale Dutzender Figuren erzählt. Aber die Macher haben es ja so gewollt. Für all jene, die die Staffel nicht verfolgt haben, hier ein Rückblick auf die besten Storylines:

Schon früh in der Staffel hatte es sich abgezeichnet und war deshalb keine große Überraschung mehr: Die Münchner Wurstfabrik FCB ist schon wieder zur reichsten Firma Deutschlands geworden, und zwar mit einem Vorsprung von 25 mehr verkauften Weißwürsten. Allerdings gab es Ärger um den Chef-Grillmeister Uli. Der gab nämlich zu, dass er vor einigen Jahren an Spielsucht gelitten hat. Damals hatte er beim Zigarren- und Champagnerkaufen aus Versehen auch eine Aktie mit in den Einkaufskorb gelegt, und als die plötzlich das Doppelte wert war, war es um Uli geschehen. Er kaufte sich ein paar Millionen Aktien und verdiente Milliarden von Euro damit, die er in einem Erdloch in der Schweiz versteckte. In einer der letzten Folgen der Staffel ging er schließlich zur Polizei und zeigte sich wegen Steuerhinterziehung selbst an. Völlig zu Recht wurde die Folge mit einem Fernsehpreis ausgezeichnet, in der 30 Minuten lang ausschließlich Uli gezeigt wurde, wie er sich schweißgebadet in seinem Bett wälzte und nicht einschlafen konnte. Besonders clever waren die Produzenten von „Bundesliga“, indem sie noch nicht aufgeklärt haben, wie es mit Uli weitergeht. Auf solche Cliffhanger stehen die Fans der Serie.

In der nächsten Staffel werden gleich zwei neue Mitarbeiter in der Wurstfabrik FCB arbeiten. Zum einen wird Jupp, der aktuelle Abteilungsleiter, aus Altersgründen aufhören und von einem bislang unbekannten Spanier ersetzt. Und zum anderen soll der junge Dortmunder Mario eine Lehre in der Münchner Fabrik beginnen. Allen Fans wird die Szene in Erinnerung sein, in der sein Vater Jürgen bittere Tränen vergoss, als er davon erfuhr, dass Mario den Vertrag bei FCB unterschrieben hat.

Ein klassisches Liebesdrama spielte sich in Hamburg ab: Der niederländische Fischer Rafael hat sich nach langjähriger Ehe von seiner Frau Sylvie getrennt. Kurz danach kam heraus, dass er sich in die beste Freundin von Sylvie verliebt hat und mit ihr zusammen ist. Lange Zeit dachten die Zuschauer, dass das der Grund für die Trennung war, und es gab diese eine Szene, die ihnen Genugtuung gab. Da besuchte Rafael mit seinen Fischerkollegen die Wurstfabrik FCB, und jeder von ihnen bekam von den dortigen Arbeitern 9 Schläge ins Gesicht. Doch dann kam heraus, dass Sylvie schon seit einem Jahr ein Verhältnis mit einem französischen Computertechniker hat, und die Sympathien drehten sich schlagartig. Viele Fans fanden jedoch die Szene viel zu dick aufgetragen, in der Rafael in seiner 25-Zimmer-Villa saß und lauthals um seine Sylvie weinte.

Auch Action-Fans kamen in der Staffel auf ihre Kosten: Es kam nämlich zu einer spektakulären Verfolgungsjagd zwischen der Polizei und den beiden Bremer Lausbuben Marco und Eljero. Die hatten das Auto ihrer Eltern geklaut und waren damit viel zu schnell auf der Autobahn unterwegs. Als die Polizei sie schließlich geschnappt hatte, beschimpften und beleidigten die beiden die Beamten auch noch. Ihren Job in der Bremer Hühnerschlachterei waren sie natürlich los, dafür hat ihr Chef Thomas persönlich gesorgt. Dass der noch vor Ende der Staffel die Serie verlassen würde, war eine der größten Überraschungen überhaupt. Schließlich war er 14 Jahre lang fester Bestandteil von „Bundesliga“. Bei seinem Abschied vergossen sogar viele Zuschauer vor dem Fernseher Tränen.

Dann gab es noch die homosexuelle Liebesgeschichte zwischen den beiden Leverkusener Pillendrehern Sami und Sascha, die dann doch in einer Trennung endete; das Lügenduell zwischen dem Gelsenkirchener Milchbubi Julian und dem Dortmunder Kohlekumpel Michael; das Leiden des Bremers Tim, der zu Fuß nach Hoffenheim ging, nur um dort mit angezündeten Geldscheinen beworfen und aus der Stadt gejagt zu werden; und die preisgekrönte Folge im November, in der kein einziges Wort gesprochen wurde. Ach ja, und zum ersten Mal überhaupt spielte in „Bundesliga“ eine Storyline in Fürth. Aber was da genau geschah, daran kann sich der Verfasser dieser Zeilen beim besten Willen nicht mehr erinnern.


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