AWdS (5): War da was?

In meiner kleinen Kolumne “Alexanders Welt des Sports” schaue ich wöchentlich auf aktuelle Sportereignisse – mit einem Augenzwinkern und nicht ganz so ernst.

 

Irgendwas Seltsames ging diese Woche vor – ich konnte es mir nicht erklären. Das Ganze fing damit an, dass im Radio dauernd die Rede war von Dortmund und München. Was gab es denn dort so Besonderes, dass die beiden Städte immer und immer wieder erwähnt wurden? Wurde die Hauptstadt von Berlin in den Ruhrpott verlegt? Findet das Oktoberfest neuerdings im Mai statt? Ich konnte es jedenfalls nicht herausfinden, denn ich habe das Radio immer erst dann lauter gemacht, als wieder Musik lief. Noch dazu war mein Internet nicht verfügbar, wohl weil ich schon mehr als 100 MB in diesem Monat versurft habe und mir die Telekom den Hahn zugedreht hat.

Die seltsamen Ereignisse spitzten sich jedenfalls zu, als ich am Samstag mit meiner Familie in einem Restaurant zu Abend aß. Wir kamen recht früh, und da war noch alles ruhig. Aber nach und nach kamen Leute mit bunten Schals und Mützen. Manche trugen gelb und schwarz, manche trugen blau und rot. Dabei war es gar nicht so kalt, erst recht nicht im Restaurant. Die Leute verschwanden in einem Hinterzimmer, wo eine große Leinwand aufgebaut war. Ich vermutete, dass dort ein lustiger Kinoabend stattfinden sollte. Vielleicht sollte ja ein Bergsteigerfilm gezeigt werden, dann passten Schals und Mützen dazu.

Dann, so gegen halb 9, das Hinterzimmer war schon voll mit Menschen, gab es plötzlich Aufregung. Die Leute riefen durcheinander, pfiffen und fingen an zu singen. Weil ich neugierig wurde, schaute ich in den Raum und sah auf der Leinwand, wie ein paar Ritter gegeneinander kämpften. Die einen trugen rot, die anderen gelb. Also war das wohl eine Mittelalter-Show, und die Leute im Hinterzimmer wollten sich das Programm gemeinsam anschauen.

Doch dann, ich sah wieder am Tisch, wurde es nochmal lauter. Jemand sprach mit lauter Stimme, und ich hörte Worte wie „Pischtschek“, „Blaschikowski“ und „Mantschukitsch”. Ich wurde immer verwirrter. War das ein Fremdsprachenverein, der in großer Runde auf einer Leinwand die neuesten Lehrvideos anschaut? Zwischendurch kamen aber auch Wörter wie „Weidenfeller“ und „Schmelzer“, und ich dachte, vielleicht hatte das Arbeitsamt geladen und stellte ein paar interessante Berufe vor. Den Gedanken wollte ich aber lieber nicht mehr weiterdenken, als ich das Wort „Schweinsteiger“ hörte.

Zwei Stunden lang brüllten sich die Leute im Hinterzimmer gegenseitig an und stießen Jubelschreie und Flüche aus. Und dann, irgendwann, riefen alle gemeinsam „Robben, Robben!“. Da wusste ich, was los war: Das war eine Meeresdokumentation, und die ganze Zeit hielten die Leute nach Robben Ausschau. Und jetzt endlich, am Ende des Filmes, haben sie sie gesehen. Zumindest dachte ich, das war des Rätsels Lösung. Denn als ich auf dem Weg zur Toilette einen Blick auf die Leinwand werfen konnte, sah ich wieder etwas Anderes: Da hielt ein alter Mann mit Glatze eine riesige, hässliche Blumenvase aus Metall nach oben. Allerdings ohne Blumen drin.

Für meine Familie und mich war es Zeit, nach Hause zu gehen. Weil die Leute aus dem Hinterzimmer der gleichen Meinung waren, wurde es am Ausgang ein wenig eng. Als wir endlich draußen waren, bot sich uns einmal mehr ein seltsames Bild: Menschen tanzten auf der Straße und lagen sich in den Armen. Aber nur die in rot und blau gekleideten. Die in gelb und schwarz trotteten an den jubelnden Menschen vorbei, und manche von ihnen weinten sogar. Wahrscheinlich haben die roten Ritter die gelben besiegt. Oder die rot Angezogenen haben mehr Fremdwörter gelernt. Oder sie haben die Robben früher gesehen. Jedenfalls habe ich immer noch keine Ahnung, was da am Samstag los war.

War da was?


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