AWdS (7): Großer Sport auf kleinem Display

In meiner kleinen Kolumne “Alexanders Welt des Sports” schaue ich wöchentlich auf aktuelle Sportereignisse – mit einem Augenzwinkern und nicht ganz so ernst.

 

Ich habe ja schon letzte Woche an dieser Stelle zum Ausdruck gebracht, was ich von der Sommerpause halte. (Zur Erinnerung: Nichts.) Und ich merke, dass ich nicht der Einzige bin, dem vor lauter Nicht-Fußball langweilig ist. Gerade heute Mittag präsentierte die DFL den Spielplan zur neuen Saison, und die Medien streamten und tickerten die Veranstaltung, als ginge es um die Auslosung einer WM-Gruppenphase. Dabei stand doch nur die Frage im Raum, gegen wen Pep Guardiolas peinliche Niederlagenserie beginnen wird. Zur Info: gegen Borussia Mönchengladbach.

Außerdem gibt es schon seit Wochen überall „News“ darüber, welcher Spieler möglicherweise zu welchem Verein wechselt – oder auch nicht. Da erfährt man dann, dass Miroslav Klose beim Angeln gesagt haben soll, dass er Lazio Rom verlassen will, dass Dortmund noch immer keinen Ersatz für Mario Götze gefunden hat und dass Wayne Rooney nach Paris wechselt. Oder nach London? Oder doch zu Eintracht Braunschweig? Man hat das Gefühl, dass zur Zeit jeder Mensch, der auch nur gegen einen Ball treten kann, in der nächsten Saison bei jedem Fußballverein der Welt spielen könnte.

Aber ich schweife ab. Eigentlich soll es darum gehen, was ich tue, um den Schmerz der fehlenden Bundesliga zu unterdrücken. Ganz einfach: Fußball spielen. Und zwar auf dem iPhone. Jetzt werden mich zwar die Hardcore-Konsolenspieler von PES und FIFA auslachen, aber ich mag’s nun mal mobil. Und FIFA gibt es auch für den kleinen Bildschirm. Da haben die Verteidiger übrigens eine ganz besondere Strategie: Wenn einer von ihnen neben einem Angreifer steht, der Richtung Tor durchstartet, läuft er erstmal hinter den Angreifer und rennt ihm hinterher, statt ihm den Weg abzuschneiden. Sehr geschickt von ihm, denn so ist er weit genug weg vom Gegner, um ein Foul zu begehen. Dass am Ende fast immer ein Tor fällt, ist Berufsrisiko eines Verteidigers.

Eine andere Empfehlung ist Dream League Soccer. In dem Spiel werden Spieler geklont. Wenn man nämlich für das eigene Team zum Beispiel Lionel Messi kauft und gegen den FC Barcelona spielt, tritt Messi gegen Messi an. Oder man holt sich gleich Pelé, Maradona und Beckenbauer und macht sämtliche Gegner im Spaziergang platt. Denn Toreschießen ist hier nichts anderes als das: Ein Spieler bekommt an der Mittellinie den Ball und rennt los. Gegenspieler und Torhüter sind eh nur Pixelberge und mit wenigen Knopfdrücken überwunden. Es kann nur passieren, dass man die gleiche Aktion außerordentlich häufig machen muss. Es ist nämlich erst erlaubt, in die nächsthöhere Liga aufzusteigen, wenn man ein bestimmtes Stadion hat. Hat man’s nicht, macht man Ehrenrunden, bis das Geld da ist. Das nennt man wohl Fußball-Darwinismus.

Doch der absolute Hammer ist das Spielchen New Star Soccer. Hier verhandelt man um sein Gehalt, indem man schätzt, ob eine Zahl höher oder niedriger sein wird als eine andere Zahl. Interviews führt man, indem man sich eine Abfolge von Feldern auf einem Raster merkt, und das Verhältnis zum Trainer verbessert man durch eine Partie Memory. Wenn die eigene Freundin mal sauer ist, geht sie gerne mal zur Presse und verkündet, dass der Trainer ein Idiot ist. Die Partien selbst laufen so ab, dass man die Richtung des Balles mit einer Linie zeichnet und die Schussstärke bestimmt, indem man einen hereinfliegenden Ball optimal trifft. Da kann PES in Sachen Realismus eindeutig nicht mithalten. Und nach 22 Saisons, 912 Spielen, 1179 Toren und 421 Vorlagen muss ich zugeben: Ich bin süchtig nach diesem verdammten Spiel.


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