AWdS (8): Der maßlos überschätzte Messias

In meiner kleinen Kolumne “Alexanders Welt des Sports” schaue ich wöchentlich auf aktuelle Sportereignisse – mit einem Augenzwinkern und nicht ganz so ernst.

 

In letzter Zeit beschränkt sich der Sport im Namen meiner Kolumne fast ausschließlich auf Fußball. Aber worüber gäbe es denn sonst etwas zu berichten? Hat es zum Beispiel ernsthaft jemanden gewundert, dass Jan Ullrich in seiner aktiven Zeit doch nicht der einzige Radrennfahrer war, der nicht gedopt war? Oder dass Miami Heat schon wieder NBA-Meister ist? Was da mit Mercedes und den Reifen in der Formel 1 passiert ist, fand ich schon so uninteressant, dass ich mich nicht weiter darüber informiert habe.

Was mir allerdings gut gefallen hat, war das Benefizspiel der „Dirk Nowitzki Allstars“ gegen „Manuel Neuer & Friends“ am letzten Sonntag. Ja richtig, das BenefizFUSSBALLspiel, doch wieder. Apropos Manuel Neuer – und jetzt kommt eine Überleitung aus der Gerhard-Delling-Journalistenschule –: Der hat ja seit dieser Woche einen neuen Trainer. Man hätte schon in den letzten Tagen einen kleinen Ausflug zum Mond und zurück machen müssen, um nichts von den Wellen mitzubekommen, die die Präsentation von Josep Guardiola i Sala als neuer Trainer von Bayern München medial ausgelöst hat. Bei der eigentlichen Pressekonferenz am Montag sprach der Spanier – oh, Wunder! – sogar mehrheitlich Deutsch, und alle überschlugen sich vor Bewunderung. Aber mal ernsthaft: Ist es wirklich eine so sensationelle Leistung, dass ein millionenschwerer Arbeitsloser, der mehr als ein Jahr Zeit hatte, eine Sprache ansatzweise gelernt hat?

Na klar, auf der Visitenkarte von Guardiola stehen ein paar Titel. Aber sind wir mal ehrlich: Auch ein mittelgroßer Kieselstein hätte als Trainer des FC Barcelona überdurchschnittliche viele Erfolge gefeiert – dank Spielern wie Lionel Messi, Andrés Iniesta und Xavi. Aber so hätte man vielleicht eine noch größere Schlagzeile produziert: „Bayern München verpflichtet mittelgroßen Kieselstein als Heynckes-Nachfolger“. Vielleicht wäre es umgedreht eine gute Idee, Guardiola einen mittelmäßigen Verein trainieren zu lassen, damit er zeigen kann, was er wirklich draufhat. Und schon haben wir die nächste Schlagzeile: „Werder Bremen findet neuen Trainer: Pep Guardiola wechselt an die Weser“.

Mein Problem ist: Guardiola ist mir im Prinzip sympathisch – er hat nur den falschen Arbeitgeber. Mal grundsätzlich: Hätte Bayern München vor 50 Jahren nicht zufällig mit Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller drei Supertalente in der Mannschaft gehabt, hätten sie heute nicht das Geld, immer wieder ihren direkten Konkurrenten die besten Spieler wegzukaufen. Geld schießt Tore, und Erfolg macht arrogant. Deshalb wurde aus dem Sympathieträger Matthias Sammer auch innerhalb eines Jahres ein schmieriger Lederhosenträger. Man kann nur hoffen, dass Guardiola in dem Jahr, das er in München verbringen wird, bevor er wegen Erfolglosigkeit (nur Dritter in der Liga und Aus in der Champions-League-Gruppenphase) gefeuert wird, seine nette Art behalten wird. Sympathisch kann man ihn dann wieder finden, wenn er 2014 als neuer Trainer bei Manchester United vorgestellt wird. Englisch kann er ja schon.


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6 Antworten zu “AWdS (8): Der maßlos überschätzte Messias

  1. junas

    1.: Guardiola hat wohl eher etwas mehr als ein halbes Jahr deutsch gelernt, wenn man mal bedenkt, dass er das in den USA gemacht hat, war das schon sehr gut.

    2.: In den beiden Jahren vor Guardiola hat Barcelona genau gar nichts gewonnen, also einen winzig kleinen Anteil an den Erfolgen wirst du ihm da wohl doch zugestehen müssen…

    3.: Bayerns Kohle hat relativ wenig mit den Erfolgen aus den 70ern zu tun, wirklich Geld machen konnte man damals nämlich nicht. Viel mehr hat es mit dem allgemeinen Standortvorteil Münchens, dem Olympiastadion und dem Verkauf von Rummenigge an Inter zu tun, mit dem damals einige Millionen Euro Schulden getilgt werden konnten.

  2. woolf

    Alexanders Welt des Sports war diesmal wohl eine Welt des Neids und Ahnungslosigkeit

    Allein der letzte Absatz spricht Bände.

    Kleine Randinfos für dich…. Bayern hatte Mitte der Achtziger Schulden!
    Nur durch den Verkauf von Rummenigge an Inter Mailand kamen sie aus den Roten Zahlen.
    Um Matthäus wieder zurück zu holen mussten sie einen Kredit aufnehmen.

    Anfang der Neunziger hat die Wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Bayern angefangen.

  3. biotonne

    ja diesmal ein recht kontroverser Sportblick…
    sorry aber mathias sammer war noch nieeeee ein Sympathieträger, der gibt sich so humorlos und übertrieben unbequem, den kann man einfach nicht gern haben, wenn man ihn nur aus den medien kennt.
    Das Bayern so erfolgreich ist haben sie keinen Talenten aus den 60 zu verdanken, das ist das Ergebnis solider und seriöser arbeit….damals konnte man nicht wirklich was mit einem meisterpokal titel gewinnen wie inwzischen mit einem cl titel, von der Vermarktung ganz zu schweigen
    ich hatte auch schon einen Artikel zu pep geschrieben, es allerdings dann geelassen weil es glaub ich schon alles gesagt wurde, peps Meisterleistung war aus dem star Ensemble eine 14 titel Mannschaft zu machen, das dies nicht immer klappt und das eine Kunst ist sah man ja letzte Saison an real oder Manchester City, auch vereine die eigentlich auch mit einem “Kieselstein” meister werden müßten

  4. Balnazza

    1)Wenn Geld Tore schießt, standen irgendwie die falschen zwei Mannschaften dieses jahr im CL-Finale…

    2)Ferner glaube ich, dass es eine ebenso gewaltige Aufgabe ist, Spitzenmannschaften zu trainieren, wie kleine, geldarme. Den in einer Spitzenmannschaft will jeder spielen und zwar 90 Minuten, fünzig Spiele die Saison. Und zwar vom Kapitän bis zum dritten Torwart. das alles zu managen, sodass keine Unruhen aufkommen, ist eine Kunst und sicher einer der Hauptgründe für den bayuwarischen Erfolg.

    3)Bayern Unsympathisch…hab ich auch lange Zeit so vor mich herschwadroniert, das gehört hier im Westen ja zur erziehung. versucht man diese “unerträgliche Arroganz” dann aber mal auf die derzeitigen Bayern anzuwenden, läuft man völlig ins Leere. Wer arrogantes Getue und völlig realitätsfernes Blabla hören will, muss doch eher in Richtung Dortmund schauen.

  5. paradiddl

    Ich glaube es einfach nicht, so einen oberflächlichen und undifferenzierten Artikel habe ich noch nie gesehen.
    Man kann Bayern gerne hassen, aber doch nicht so plump und dann den stumpfen Hass/Neid in einer Kolumne veröffentlichen!
    Wenn ich solche Phrasen als Argumente wie “Geld schießt Tore” oder “Bayern kauft Talente weg” und “Jeder hätte mit Barca die CL gewonnen” lese sehe ich einen kleinen wütenden Bayernhater vor mir, der sich nach zwei Jahren der Häme nach dieser Saison gar nichts mehr zu lästern hatte und solche nichtigen Anhaltspunkte jetzt zum haten braucht.
    Aber das aller lächerlichste ist dieses Mimimi mit Beckenbauer und Müller, das sind einfach Legenden, die in Bayern groß geworden sind und solche gibt es auch heute noch wenn man Lahm, Müller und Schweinsteiger betrachtet! Das die Spieler den Klub nun mal ausmachen. Zu der “Kaufstrategie”: Wenn Dortmund sich Reus von Gladbach holt (ihren besten Mann) oder Bayer damals Bellarabi aus Braunschweig loseist (bester Mann und Hoffnung des Vereins) verzieht keiner eine Miene, allerdings wenn Bayern sich einen Mandzukic oder Götze kauft dann sind das “die bösen Bayern, die nur andere Vereine kaputt machen wollen”. So ist nunmal der Transfermarkt: Jeder will die besten Spieler die man haben kann!

  6. alexko

    Liebe Kommentatoren, der Zauber einer jeden und somit auch dieser Kolumne ist doch, dass man provozieren, polarisieren, antizipieren und nicht differenzieren kann, wie man es im Sinne der Unterhaltung der Leserschaft für möglich und nötig erachtet. Zumal oben drüber geschrieben steht: “mit einem Augenzwinkern und nicht ganz so ernst”.
    Witzig ist nur, dass ich in den vergangenen 7 Beiträgen unter anderem Späße über die Klitschkos, Greuther Fürth, den 1. FC Kaiserslautern, Marko Arnatovic, die Telekom und Rafael van der Vaart gemacht habe, und keinen hat’s gestört. Greift man den heiligen FC Bayern München an, kriegt man die enorme Anzahl von 5 Kommentaren. Merke also: Willst du Reaktionen, wag’ dich an die ganz Großen.

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