AWDS (3): Vom Zähne zählen und Puck ausweichen

In meiner kleinen Kolumne “Alexanders Welt des Sports” schaue ich auf aktuelle Sportereignisse – mit einen Augenzwinkern und nicht ganz so ernst.

 

Eishockey ist schon ein bizarrer Sport. Da hat irgendwann ein Querkopf den körperbetonten Teamsport Hockey mit dem filigranen Eislaufen gekreuzt, dieser ästhetischen Sportart, bei der junge Menschen Pirouetten drehen und sich gegenseitig durch die Luft wirbeln. Es wundert mich, dass der Mann nicht gleich auch Fußball-Boxen, Basketball-Fechten und Mixed-Martial-Arts-Beachvolleyball erfunden hat.

Für neutrale Betrachter geht es beim Eishockey sowieso nur darum, so viele Gegner wie möglich gegen die Bande zu knallen oder mit dem Schläger bewusstlos zu schlagen. Ich kenne sogar Leute, die denken, dass beim Eishockey die Mannschaft gewinnt, deren Spieler die wenigsten Zähne im Spiel verloren haben. Nach deren Vorstellung werden die Zähne gleich nach dem Herausschlagen vom Schiedsrichter eingesammelt und zur besseren Übersichtlichkeit auf die Bande gelegt. Bei Unentschieden gibt es Verlängerung, und steht danach noch kein Sieger fest, entscheidet eine 5-Minuten-Massenschlägerei. Gebrochene Nasen zählen doppelt und mit den Kufen abgetrennte Fingerkuppen gleich vierfach.

Aber im Ernst: Eishockey ist eine spannende Sportart, und Fans bekommen zur Zeit einiges geboten. Gerade läuft noch die Weltmeisterschaft, bei der die deutsche Mannschaft mal wieder etwas hinterherläuft. Aber woran liegt es, dass wir Deutschen nicht so gut im Eishockey sind, trotz geschätzter 20 Millionen potentieller Spieler? Trauen sich unsere Kinder nicht auf den zugefrorenen Teich? Haben sie Angst, die fliegende Hartgummischeibe ins Gesicht zu bekommen und dann zu entstellt zu sein, um bei „Deutschland sucht den Superstar“ eine Chance zu haben? Aber, liebe Kinder, aus dem Grund wurde doch „The Voice of Germany“ erfunden. Am Ende sind wir wahrscheinlich nicht so unerschrocken wie die Slowaken, nicht so gleichgültig wie die Finnen und nehmen vor dem Spiel nicht noch einen Schluck aus der Pulle, wie es die Russen tun. Und um nur der Form halber noch ein paar andere Länderklischees abzufrühstücken: Ja, die Schweizer bekommen ihre mittlerweile üppigen Prämien auf Nummernkonten, die Franzosen stärken sich vor jedem Spiel mit Froschschenkeln, und jeder Spieler des österreichischen Teams ist hauptberuflich Almbauer.

Interessanterweise läuft die WM, obwohl die Saison in der NHL, der besten Eishockeyliga der Welt, noch gar nicht beendet ist. Das wäre ungefähr damit vergleichbar, wenn eine Fußball-WM parallel zur Bundesliga stattfinden würde. Da kann dann der Jogi mal schauen, welche 11 Spieler er auf den Platz bringt. Dann geht Mesut Özil ins Tor, Poldi macht den Sturmtank, und alles dazwischen wird mit Regionalligaspielern aufgefüllt. Da wird es dann natürlich umso schwerer, einen weiteren zweiten Platz einzufahren.

Zu guter Letzt fand Ende April das Playoff-Finale um die deutsche Meisterschaft statt. Gewonnen haben schon zum dritten Mal hintereinander die Eisbären Berlin. Dabei fällt mir ein: Öfter höre ich in meinem Lieblingsradiosender Bremen Vier von den Eisbären Bremerhaven. Ich denke dabei immer erst an eine Eishockey-Mannschaft. Eisbären spielen Eishockey, ist doch logisch. Doch dann bin ich verwirrt, wenn von Körben, Freiwürfen und Ergebnissen jenseits von 70:70 die Rede ist. Hat etwa der eingangs erwähnte Eishockey-Erfinder auch eine Variante mit Basketball-Elementen kreiert? Nein, werden echte Geeks jetzt einwerfen: Die äußerst brutale Kombination aus Basketball und Eishockey nennt sich Baskiceball und ist eine Erfindung von Marshall Eriksen und seinen Brüdern. Wäre das auch geklärt.


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