Die Tour startet, ein kleiner Kommentar

Am Samstag geht sie los, die Jubiläumstour de France, die Nummer 100. Aus diesem Anlass sehe ich mich auch dazu veranlasst mal meine Kommentartechnischen Fußspuren zu hinterlassen.

Juchu, die Nummer 100 wird bestimmt sauber, Fair, die Apotheken werden schließen während dieser Zeit, wegen geringer Nachfrage, der Sieger wird…… ohh wait, es geht um Radsport!, ach Mist ich nehm alles Zurück, der Sieger kommt aus der Mannschaft, welche die Grauzone am geschicktesten ausgereizt hat.

Ja, jetzt hat auch der Held meiner Twen Zeit Zugegeben gedopt zu haben, welch Überraschung. Jan Ullrich gewann die Tour de France zu einer Zeit in der ich total heiß war auf diese Szene, mangels Talents und anderer Zipperlein aber nie mit dem Sport angefangen habe. Ich umgab mich vielmehr mit Freunden und Kollegen, die mehr oder weniger Talentiert waren, sogar Rennen gewannen und sogar Bundesliga fuhren. Hier erfuhr man so einiges, das selbst in diesen Amateurbereichen schon in Grauzonen gearbeitet wurde und so manch Schublade aussah wie in einer gut geführten Arztpraxis.

Erinnert sich wer noch an Jan Ullrichs Husarenritt nach Andorra, welcher ihm den Tour Sieg einbrachte? Mit dem legendären Satz seines Edelhelfers Udo Bölts: „ Quäl dich du Sau!“. Natürlich erinnert sich der ein oder andere an dieses Geschichtsträchtige Ereignis, weniger Leute werden sich an den Tag danach erinnern, als ein etwas aufgedunsener Jan Ullrich seine Führung verteidigte. Das physische Erscheinungsbild wies auf die Einnahme von Entwässerungstabletten hin, um den ganzen Mist aus dem Körper zu schwemmen.

Anyway, er hat ja jetzt gestanden, mit dem wahren Satz: „Ich wollte für Chancengleichheit sorgen.“ Im Kompletten Peloton , welches über die Jahre die Berge rauf und wieder runter strampelt, gibt und gab es nur einen Fahrer dem ich abnehme nie etwas zu sich genommen zu haben was seine Leistung steigert, der unverwüstliche Jens Voigt, der dieses Jahr seine 16. !!!! Tour mitfährt und das selbst für Radfahrer im fortgeschrittenen Alter von 41 Jahren. Diese sportliche Verhalten musste er aber mit der Tatsache „bezahlen“ das er nie eine große Rundfahrt gewinnen wird, weil er sich meist nur für einzelne Etappen hochpowern konnte und dies jedes Mal mit einem Leistungseinbruch bezahlen musste, weswegen er das Gelbe Trikot zweimal jeweils nur einen Tag tragen durfte und seine beste Endplatzierung in den Dreißigern des Gesamtklassements war.

An diesen Praktiken in der Radszene sind wir, die Zuseher nicht ganz unschuldig. Wen würde schon eine Tour interessieren, in der jeden Tag 100 km durch flaches Land geradelt wird. Der Zuschauer ist geil auf Spektakel, auf einen unmenschlichen Mount Ventoux, auf Bergankünfte in Alp d’Huez und das am liebsten zweimal, auf Radfahrer die auch 20% Steigungen im Schlaf bewältigen und im Ziel lächeln als wären sie grad zum nächsten Aldi geradelt, Milch kaufen.

80 % des Pelotons hat einen Asthma Ausweis um bestimmte Medikamente nehmen zu dürfen, seit Jahren plädiere ich schon dafür, gewisse Medikamente unter ärztlicher Aufsicht freizugeben, da man eh nicht vieles Kontrollieren kann. Für manchen ist diese Idee abwegig oder gar skandalös,  aber unter den momentanen Voraussetzungen ist die Tour ohne Hilfsmittel nicht gewinn bar, wie Lance Armstrong schon richtig bemerkte. Mit der Legalisierung gäbe es Chancengleichheit für alle und unter ärztlicher Kontrolle würden eventuell frühe Tode wie die von Marco Pantani vermieden.

Die Dopingpraktiken werden den Jägern immer einen Schritt voraus sein, ähnlich wie Computerviren, welche gegenüber den Antivirenprogrammen die Nase vorne haben. Ich weiß das ich da eine etwas kontroverse Meinung zu dem Thema habe, aber solang die Praktiken dermaßen ausgefeilt sind, wird auch keine Änderung eintreten und 189 getunte Fahrer + Jens Voigt werden durch die wunderschöne Landschaft Frankreichs radeln, möge die besser Apotheke gewinnen.


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Eine Antwort zu “Die Tour startet, ein kleiner Kommentar

  1. alexko

    Ich bin voll und ganz auf deiner Seite, was kontrolliertes und für alle Teilnehmer erlaubtes Doping angeht. Es wird in diesem höchst anstrengenden Sport nie auszuschließen sein, dass gedopt wird, und so würde man diesbezüglich für Chancengleichheit sorgen.
    Das Problem wäre nur, dass dann denjenigen der Straßenradrennsport völlig verschlossen bliebe, die keine Dopingmittel einnehmen wollen, um ihrem Körper nicht zu schaden.

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